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Kaliumjodid-Tabletten erst im Ernstfall einnehmen. Details dazu von Dr. Birgit Jandrasits

​​Die Verunsicherung durch den derzeit in der Ukraine wütenden Krieg ist groß. Atomare Drohgebärden Russlands schüren die Angst vor einer Ausweitung der Unruhen auf Europa - aber auch eine neue Dimension des Krieges auf atomarer Ebene. Hierzu gingen auch viele Fehlinformationen durch Österreichs Medienlandschaft. Wir sortieren diese für Sie aus Sicht einer Medizinerin.

Auch wenn die Angst vor radioaktiver Strahlung groß ist, warnt die österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung (OGNMB) eindringlich vor der vorbeugenden Einnahme von Kaliumjodidtabletten! Diese können wesentliche Gesundheitsrisiken mit sich bringen!

Erst im Ernstfall

Bei einem Atomunfall wird viel radioaktives Jod freigesetzt, welches nach Aufnahme in den Körper in der Schilddrüse gespeichert wird. Eine hohe Strahlenbelastung für den Körper, die in Folge zu Schilddrüsenkrebs führen kann. Kaliumjodidtabletten sättigen grundsätzlich die Schilddrüse mit Jod, sodass das aufgenommene radioaktive Jod nicht mehr gespeichert werden kann und vom Körper direkt wieder ausgeschieden wird. Eine Voraussetzung ist jedoch, dass die Tabletten erst vor Eintreffen der radioaktiven Luftmasse eingenommen werden. Nur dann ist ein wirksamer Schutz vor strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs möglich.

Da Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken, gibt es ein eigenes Bevorratungskonzept sind Kindergärten und Schulen. Damit sind diese mit ausreichend Tabletten ausgestattet, um sie zeitnah zur Verabreichung auszugeben.

Personen über 40 Jahren haben an sich ein geringes Risiko für das Auftreten von strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs, sodass eine Einnahme für sie generell nicht empfohlen wird!

Im Falle eines Atomunfalls sind in erster Linie die Informationen der Behörden zu beachten. Als erster und wirksamster Schutz ist das Aufsuchen von geschlossenen Räumen zu nennen.

Kaliumiodid-Tabletten sollen nur nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Gesundheitsbehörden eingenommen werden. Diese evaluieren, wo die Strahlenbelastung einen Grenzwert überschreitet und raten dann zur Einnahme. Für Schwangere und Stillende sind diese Tabletten gratis, für Personen unter 40 Jahren zu einem geringen Preis in der Apotheke abzuholen.

Entgegen derzeit kursierenden Gerüchten sind genügend Tabletten vorrätig! 

 

Quellen

https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Strahlenschutz/Kaliumiodid-Tabletten.html

 

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